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Die Werte, nach denen du leben möchtest, legst du am allerbesten selbst fest. Als bewusste Entscheidung FÜR etwas. Dann können sie ein Teil deines Selbst und deines gelebten Lebens werden. Und im Einklang mit sich selbst leben ist erfüllender und leichter als dauernd gegen sich selbst zu kämpfen.
Situationen, die uns erschüttern
Sehr oft machen wir uns keine Gedanken darüber, woran wir uns ausrichten. Wir leben, wie wir eben leben. Hinterfragen, warum wir genau so leben, hat meistens keinen festen Platz auf unserer Liste der Erledigungen.
Oft schauen wir erst in Krisensituationen genauer hin. Dann, wenn alte Konzepte nicht mehr funktionieren. Ein „Weiter so“ nicht mehr so recht funktionieren will. Weil uns etwas passiert ist, das unsere Weltsicht erschüttert oder auch die Sicht auf uns selbst: Eine Krankheit, ein Verlust oder eine große Enttäuschung.
Vielleicht ist es notwendig, dass Selbstbild zu aktualisieren, weil die Arbeitsfähigkeit reduziert ist. Oder weil eine wichtige Person in unserem Leben plötzlich fehlt. An all diesen Lebenspunkten kann eine Suche nach Orientierung notwendig sein.
Und natürlich ist es auch an jeder anderen Stelle im Leben gut, mal nachzuschauen, ob ich eigentlich so lebe, wie ich leben möchte.
So leben, wie es gut zu dir passt
Wenn wir uns und unser echtes Wertesystem gut kennen und unser Handeln danach ausrichten, kann das zu einer ganz neuen Qualität von Leben führen: Zufrieden, im Sinne von im Frieden mit mir selbst und „der Welt“.
Das sind ganz schön große Worte und gleichzeitig geht es um etwas ganz Alltägliches: Im Einklang mit dem leben, was man für richtig hält, statt immer wieder mit sich selbst zu rangeln und zu grübeln.
Warum wir uns das selten bewusst aussuchen
In den meisten Fällen suchen wir uns eben nicht bewusst aus, wie wir leben. Wir haben im Laufe der Zeit automatisch Verhaltens- und Denkweisen eingesammelt, die irgendwie gut funktionieren. Wir haben ja schließlich überlebt. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung fürs Weitermachen und gleichzeitig kann da noch was fehlen zum Lebensglück. Irgendetwas nagt da an uns und lässt sich nicht richtig greifen. Dann kann die Beschäftigung mit den eigenen Werten wertvolle neue Informationen liefern.
Meine Werte früher
Mir ging es nicht anders als den Allermeisten. Werte waren zwar immer präsent in meinem Leben, schon allein durch mein Aufwachsen in einer deutlich katholischen Familie. Gewisse Dinge waren „gesetzt“ und ich habe mit viel Ernsthaftigkeit versucht, ein guter Mensch zu sein. Prinzipiell keine schlechte Idee, aber als Teenager stößt man da schon an gewisse Grenzen – aber das ist eine ganz andere Geschichte… Ich habe tatsächlich auch erst motiviert durch schwierige Lebenssituationen damit angefangen, mich bewusster damit auseinander zu setzen, was die Leitprinzipien meines Lebens sein sollen.
Meine Werte heute
Und was dabei herausgekommen ist, kannst du sogar hier oben auf der Webseite lesen: Curiosity, Courage, Creativity. Und es gehört noch Connection* dazu. Diese vier Werte sind es, an denen ich mich ausrichte und mit denen ich Entscheidungen fälle. Ich erzähle mal ein bisschen mehr dazu, was genau das für mich heißt:
*Es hat verschiedene Gründe, warum es die englischen Varianten sind. Der wichtigste ist: Sie fangen alle mit „C“ an. Wie sehr viele andere tolle Dinge auch, zum Beispiel Claudia oder Chaos…
Curiosity
Neugier ist für mich das Antidot zu Ängstlichkeit und Verzagtheit. Wenn ich neugierig werde, frage ich anders, als wenn ich mich voller Angst und Misstrauen einer Aufgabe, einer Situation oder Herausforderung stelle. Ich kann dann zum Beispiel fragen: Was steckt dahinter? Warum ist das so? Wie kann ich das anders sehen?
Ich habe festgestellt: Neugier stellt Ängstlichkeit relativ flott ab. (Manchmal braucht es noch ein paar Atemübungen zusätzlich, das schon!)
Es fällt mir natürlich nicht immer leicht, mich bewusst für ein neugieriges, forschendes, nicht bewertendes Vorgehen zu entscheiden. Besonders, wenn die Gefühle hohe Wellen schlagen, ist das eine ziemliche Herausforderung. Und dennoch: Neugier ist immer wieder das Werkzeug, das mich am zuverlässigsten weiterbringt.
Courage
Es braucht Beherztheit, um solche Fragen zu stellen und nicht auf die inneren Tumulte oder diese strenge Stimme zu hören, die mir dauernd erklärt, was ich alles falsch mache.
Courage haben heißt für mich auch, herauszufinden, was die richtigen Entscheidungen für mich und meine Situation sind und das dann auch umzusetzen. Auch wenn das manch anderer seltsam oder blöd findet.
Daraus folgt umgekehrt auch noch, dass ich anderen genau das ebenso zugestehen muss. Manchmal ist auch das schwer zu akzeptieren. Aber wer hat gesagt, dass das Leben mit Werten einfacher wird? – Interessanter aber auf jeden Fall!
Creativity
Kreativität ist Entdecken, was schon da ist. Die inneren Blockaden umschiffen, die der Entdeckung im Weg stehen. Anders als gewohnt auf die Sache schauen. Überlegen, wie es auch noch gehen könnte. All das fällt für mich unter Kreativität.
Und wenn ich das so formuliere, fällt mir auf, dass Neugier, Courage und Kreativität Schwestern sind, die sich perfekt ergänzen. Es gibt keine Kreativität ohne Neugier und Courage. Logisch eigentlich, dass es diesen Dreiklang braucht, oder?
Connection
Verbindung – Dass das mal einer meiner Werte werden würde, hätte ich auch nicht erwartet. Die meiste Zeit meines Lebens war ich als überzeugte Einzelkämpferin Individualisten unterwegs. Ich wollte niemanden brauchen, das war viel zu gefährlich. Blöderweise hielt mein uralter Glaubenssatz „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.“ meiner chronischen Erkrankung nicht stand. Versuch mal in dieser Situation „autonom“ und „unabhängig“ zu sein. Kleiner Hinweis: Geht nicht! Und der Weg zu akzeptieren, dass ich es „allein nicht mehr schaffe“ war … na sagen wir mal … steinig und mit Taschentüchern gepflastert. Und hat außerdem noch von mir gefordert, die wichtigste Verbindung überhaupt aufzubauen: Die zu mir selbst. Auch das nicht so einfach, wenn man -wie ich- nicht nur begeistert darüber ist, wen man da kennenlernt…
Zwei Dinge sind mir noch wichtig
Erstens: Dass ich diese Werte als meine wichtigsten festgelegt habe, heißt nicht, dass es nicht andere gibt, die mir auch wichtig sind! Außerdem gibt es noch die Unterscheidung in individuelle, soziale und demokratische Werte über die ich heir noch gar nichts geschrieben habe. Neugier, Courage und Kreativität sind zum Beispiel nur meine individuellen Werte.
Zweitens: Schaffe ich das immer perfekt? 🤣Nein! Natürlich nicht! Ich bin ein Mensch! Also mache ich Fehler, verrenne mich im Gestrüpp meiner Gedanken und Gefühle. Dann hilft mir Schreiben, da wieder rauszufinden und mich, mein Verhalten, meine Denke so zu korrigieren, dass sie wieder gut zu mir und der Situation passen.
Das klingt nur nach NOCH einem To-do…
Perfektionismus kann alles als Waffe gegen dich selbst verwenden. Auch die gute Idee nach den eigenen Werten zu leben, wird zu einer Falle, wenn es ein weiterer Punkt ist, mit dem du dich selbst fertig machst. Vielleicht wären dann „Nachsicht“ oder „Güte“ etwas für dich… 😉
Werte sind schließlich nur Leitsterne, nach denen wir streben. Niemand hat gesagt, dass du das alles schon perfekt leben musst. Es geht auch darum, dass du dir in dein Leben das hineinholst, was dir fehlt! Das, wovon du mehr haben möchtest.
Es gäbe noch so viel dazu zu sagen
Das Thema „Werte leben“ ist ein riesengroßes. Das hier ist schon ein längerer Text geworden und er stellt nur einen Teil meiner Gedanken dazu dar. – Es gibt schließlich sogar ganze Bücher darüber. (Zum Beispiel von Maja Göpel – Werte leben)
Wenn du Lust hast, intensiver und persönlicher in dieses Thema einzusteigen, melde dich zum Workshop am 17. Oktober 2026 an. In diesem 2 ½ -stündigen Workshop gehen wir schreibend deinen Werten und dem, was dir wirklich wichtig ist, auf den Grund.
Und hier noch ein paar Inspirationen fürs Weiterdenken.
Schreib für jeweils 5 Minuten alles auf, was dir dazu einfällt.
- Wie entscheidest du dich?
Freiheit oder Bindung? | Großzügigkeit oder Sparsamkeit? | Risiko oder Sicherheit? | Beständigkeit oder Veränderung? | Loyalität oder Eigennutz? | „Wir“ oder „Ich“?
- Was glaubst du:
- Macht es glücklich, die eigenen Werte zu leben? Oder ist es einfach nur anstrengender?
- Wird das Leben erfüllter/ erfüllender, wenn du nach deinen Werten lebst?
- „Niemand hat mehr echte Werte!“ – Und wie sieht es mit dir aus? – Wenn dich jemand eine Woche lang beobachten würde, was für Werte wären von außen erkennbar?
- Sind deine Werte diejenigen, die für alle gelten sollten?

Claudia